Wie erreichbar müssen und wollen wir heutzutage sein?

Ist es selbstverständlich, über das Handy stets verfügbar zu sein?

Drei Viertel aller Berufstätigen (77 Prozent) in Deutschland sind außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden per Handy oder E-Mail erreichbar: 30 Prozent sind jederzeit erreichbar und 32 Prozent zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel abends an Wochentagen oder am Wochenende. Weitere 15 Prozent sind nur in Ausnahmefällen und 16 Prozent gar nicht erreichbar.

Die ständige Beobachtung des eigenen Smartphones, das permanente Telefonieren und jeder zweite Blick auf das Email Postfach, das passiert zu jeder Zeit des Alltags, selbst wenn man gerade beim Essen ist, mit den Kindern spielt oder sogar gleichzeitig beim schauen eines Films im TV. Diese Augenblicke kennen mittlerweile berufstätige Menschen nur zu gut.

Die Arbeitsmedizin zeigt an, dass ca. 40 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland öfters in ihrem privaten Leben mit beruflichen Dingen konfrontiert werden.

Es stellt sich immer öfters die Frage, ob die ständige Erreichbarkeit für das Gleichgewicht zwischen Arbeitsplatz und Freizeit eher Vorteile- oder Nachteile mit sich bringen -hier spielen viele Merkmale eine bedeutende Rolle.

Es sind nicht die vielen Kontaktanfragen oder Emails im Privatleben, die die ständige Erreichbarkeit zum Problem werden lassen, sondern die psychische Belastung beginnt, wenn Anfragen oder Emails aus heiterem Himmel eintreffen und diese sofort und auf dem kurzen Weg beantwortet und bearbeitet werden müssen.

Hier ist auch noch zu erwähnen, das Erreichbarkeit oftmals ein Ausdruck von psychischer Überlastung ist, die bei den meisten berufstätigen Menschen die sowieso lange arbeiten müssen, zu größeren Problemen beim Abschalten und der Interoperationalität von Beruf und Privatleben führt.

Täglich werden berufstätige Menschen mit der ständigen Erreichbarkeit konfrontiert, diese können aber mittels flexibler Arbeitszeiten eingeschränkt werden.

Ich spreche hier von „arbeitspsychologischer Flexibilisierung“

Wenn ein Unternehmen eine ständige Erreichbarkeit verlangt oder sogar vom Mitarbeiter erwartet, sollte der Arbeitgeber der anderen Gegenseite auch mehr Flexibilität anbieten, z.B. durch gleitende Arbeitszeiten, Homeoffice sowie produktivere und neu überdachte Arbeitsabläufe.

Arbeitnehmer hätten auch selbst die Möglichkeit, neue Konzeptwege (Strategien) mit den neuen Medien zu nutzen, zum Beispiel können sie die Zeiten, in denen sie erreichbar sind, eingegrenzen.

Es macht auch Sinn, das geschäftliche- und private Telefon ggf. Smartphone separat bzw. getrennt voneinander zu benutzen. Benachrichtigungen können auch zu bestimmten Zeiten bzw. Zeiträumen blockiert werden.

Beschäftigte können persönliche Freiheiten gewinnen, Arbeitgeber höher motivierte Mitarbeiter.“

Strategisch ist es ratsam, ausreichend Zeit für produktive dienstliche Gespräche während der normalen Arbeitszeit mit den Kolleginnen- und Kollegen einzuplanen.

Ich schlage in meinem nächsten Blog – Regeln für Unternehmen und Beschäftigte vor, die flexibles Arbeiten und den Umgang mit der Erreichbarkeit erleichtern sollen.

Sollten Sie als Unternehmer Arbeitspsychologische Beratung- und Unterstützung benötigen,
so sprechen Sie mich gerne an.

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