Bindungsängstliche Menschen legen oft rigoros fest, wie nah ihnen ihre Partner kommen dürfen. Oft bleiben sie auch in einer Beziehung auf Distanz. Daran scheitern selbst hoffnungsvolle Liebesgeschichten – es sei denn, man stellt sich diesem Störprogramm und ändert es.

Es sind oftmals tiefliegende und unbewusste Ängste, die nahe und vertrauensvolle Liebesbeziehungen von Anfang an zum Scheitern verurteilen. Betroffene wissen mithin gar nicht, dass ihre Beziehungsprobleme auf ihre eigenes schwieriges Bindungsverhalten zurückzuführen sind. Sie nehmen einfach ein diffuses Unwohlsein oder einen Freiheitsdrang wahr, ein „Irgendetwas“, das sie die Beziehung als unangenehm empfinden lässt. Sie reagieren mit verschiedenen Strategien, um diese Angst zu kompensieren.

Nicht immer bleiben Beziehungsängstliche solo. Einige umwerben so lange ihr Objekt der Begierde, bis sie es bekommen haben. Dann wird es ihnen langweilig. Einige stecken die Grenzen in einer Beziehung rigoros ab. Sie legen fest, was „richtig“ und „falsch“ ist, was sie einengt, worüber sie nicht diskutieren wollen. Bindungsangst versteckt sich auch hinter bestimmten Verhaltensmustern, die gar nicht ängstlich wirken.

Erste Hilfe für Partner

Es klingt vielleicht befremdlich, wenn Nähe ohnehin ein Problem darstellt: Aber gerade Partner von Bindungsphobikern müssen lernen, sich unabhängiger von ihrem Partner zu machen. Häufig sitzen die Partner einem Irrtum auf, den man nur aus der Ferne erkennt. Sie empfinden die Größe ihrer Verlustangst als Indiz für die Größe ihrer Liebe. Weil die Beziehung so dramatisch ist und nie zur Ruhe kommt, kommen sie zu dem Schluss, dass diese Beziehung etwas ganz Besonderes wäre. Nur wer innerlich einen Schritt zurücktritt, sich auf sich selbst und seine Gefühle konzentriert, wird die Mechanismen und Trugbilder durchschauen.

Eine wichtige Anregung lautet: Schaff ein Gegengewicht in deinem Leben. In einer bindungsgestörten Beziehung werden oft alle anderen Interessen neben dem Partner vernachlässigt, weil man nicht genug Energie hat. Es ist sehr wichtig, sich wieder eigene Lebensbereiche zu erobern und eigene Kontakte zu pflegen.

Eine zweite Anregung: Tritt für deine Rechte ein. Viele Partner haben Angst, das brüchige Beziehungsband durch Konflikte zu belasten. Das Gelingen der Partnerschaft hängt aber gar nicht von der eigenen Anpassungsbereitschaft ab.

Eine dritte Anregung: Lass dich nicht in die Probleme des Partners verstricken. Ein Symptom bindungsgestörter Beziehungen ist die übermäßige Beschäftigung mit dem Problem des Bindungsphobikers. Damit verbindet sich oft auch Mitleid für den Partner. Dadurch besteht aber die Gefahr, sich auf die Kompliziertheit des Partners zu konzentrieren und die eigene klare Linie zu verlieren.

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