Viele Menschen kommen nicht mit der Aussage „Ich habe Burnout“ in eine psychologische Praxis.

Sie kommen wegen Schlafproblemen, innerer Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten oder körperlicher Verspannung – und funktionieren dennoch im Berufs- und Familienalltag weiter.

Nach außen wirken sie stabil, belastbar und organisiert.

Im Inneren zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild: emotionale Erschöpfung, zunehmende Leere und das Gefühl, nur noch „durchzuhalten“.

Was bedeutet funktionierende Erschöpfung?

„Funktionierende Erschöpfung“ ist kein offizieller Diagnosebegriff, beschreibt jedoch ein in der psychologischen Praxis häufig beobachtetes Muster.

Betroffene bleiben leistungsfähig, erfüllen ihre Aufgaben und fallen im beruflichen Umfeld kaum auf. Gleichzeitig nimmt die innere Belastung stetig zu.

Gerade weil die äußere Funktionsfähigkeit erhalten bleibt, wird dieser Zustand oft lange übersehen – sowohl vom Umfeld als auch von den Betroffenen selbst.

Typische Anzeichen

  • Schlaf ohne wirkliche Erholung
  • Daueranspannung oder innere Unruhe
  • emotionale Distanz oder Gleichgültigkeit
  • Reizbarkeit und geringe Geduld
  • Entscheidungs- und Konzentrationsmüdigkeit
  • sozialer Rückzug trotz bestehender Kontakte
  • körperliche Symptome wie Kopfdruck oder Verspannungen

Warum dieser Zustand oft spät erkannt wird

Funktionierende Erschöpfung zeigt sich selten durch Arbeitsausfälle oder klare Krisen.

Viele Betroffene relativieren ihre Symptome mit Gedanken wie „Andere schaffen das auch“ oder „Ich muss nur noch diese Phase überstehen“.

Häufig werden zunächst körperliche Ursachen vermutet, während die psychische Belastung im Hintergrund bleibt.

Wer ist besonders gefährdet?

  • Führungskräfte und Selbstständige
  • Menschen in sozialen, medizinischen oder pädagogischen Berufen
  • Eltern mit dauerhafter Doppelbelastung
  • Personen mit hohem Verantwortungsgefühl
  • Perfektionistisch geprägte Persönlichkeiten

Was kann helfen?

Entscheidend ist nicht sofortige Leistungsreduktion, sondern eine bewusste Selbststeuerung.

Hilfreich können unter anderem sein:

  • Psychoedukation und Verständnis der eigenen Belastungsmuster
  • Strukturierte Reflexion von Arbeits- und Lebensbereichen
  • Schlaf- und Erholungsregulation
  • klare Abgrenzung und Priorisierung
  • kleine, regelmäßige Regenerationsphasen im Alltag
  • professionelle psychologische Begleitung

Abschließender Gedanke

Wer dauerhaft stark bleibt, verliert oft das Gespür dafür, wann Entlastung notwendig ist.

Funktionierende Erschöpfung bedeutet nicht Schwäche – sie ist häufig ein Hinweis darauf, dass innere Ressourcen über längere Zeit stärker beansprucht wurden als es von außen sichtbar war.

Wenn Sie sich in einzelnen Punkten wiedererkennen oder das Gefühl haben, dauerhaft unter innerer Anspannung zu stehen, kann ein klärendes Gespräch hilfreich sein.

Terminanfragen sind unkompliziert online über Doctolib möglich.

M.Sc. Psych. Marcus Neuzerling
Psychologischer Therapeut