Würden Menschen und die Gesellschaft profitieren, wenn sich jeder zumindest eine Zeit lang einer professionellen Begleitung unterziehen würde? Der Gedanke klingt einleuchtend, doch ich sehe das differenzierter. Eine psychologische Beratung oder Unterstützung ist nicht für jeden gleichermaßen sinnvoll. Zudem rate ich in meinen Sitzungen zur Vorsicht bei Selbstdiagnosen.

Wann eine psychologische Unterstützung sinnvoll ist

Nicht bei jeder Person, die meine Praxis in Berlin aufsucht, ist eine klinische Intervention indiziert. Professionelle Unterstützung erfolgt klassischerweise dann, wenn eine belastende psychische Situation vorliegt, die den Alltag massiv einschränkt.

Interessanterweise nehmen nicht alle Menschen mit einer entsprechenden Diagnose Hilfe in Anspruch. Einigen gelingt es, sich auch mit Belastungen – wie etwa Zwangsmustern – im Alltag zu arrangieren. Es ist möglich, mit gewissen Einschränkungen zu leben, auch wenn dies qualitativ vielleicht nicht das bestmögliche Leben darstellt.

Ob eine Begleitung sinnvoll ist, hängt maßgeblich von der Veränderungsbereitschaft ab. Ein Beispiel ist die Nikotinabhängigkeit: Auch wenn hier eine fachliche Einordnung vorliegt, ist eine Beratung nur dann zielführend, wenn der Wunsch besteht, das Verhalten zu ändern. Um die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen oder Überzeugungen zu hinterfragen, bedarf es zudem nicht immer einer klinischen Therapie – oft reicht eine gezielte psychologische Beratung oder ein Coaching aus.

Bei Leidensdruck die psychologische Sprechstunde nutzen

Dennoch gibt es viele Menschen, bei denen Unterstützung sehr sinnvoll wäre, die diese aber nicht erhalten – sei es durch fehlende Kapazitäten im System oder weil das eigene Leiden heruntergespielt wird.

Im Zweifelsfall sollten Sie nicht davor zurückschrecken, eine Sprechstunde zur Klärung zu vereinbaren. Ob eine Unterstützung notwendig ist, müssen Sie nicht allein entscheiden. Das ist die Aufgabe von erfahrenen Psychologen. In einem Erstgespräch klären wir gemeinsam, ob eine weitere Begleitung ratsam ist.

Ich rate jedem mit deutlichem Leidensdruck zum Erstgespräch: Wenn Sie anhaltend traurig sind, sich zu nichts aufraffen können oder die Energie für soziale Kontakte fehlt, ist es Zeit, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Warnung vor Selbstdiagnosen

Gleichzeitig warne ich vor voreiligen Selbstdiagnosen – diese halte ich für problematisch. Ein klassisches Beispiel ist intensiver Liebeskummer: Die Symptome wie Weinen, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen ähneln denen einer Depression stark. Dennoch handelt es sich in den meisten Fällen um eine natürliche emotionale Reaktion und nicht um eine klinische Erkrankung.


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